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Kommunismus und seine Opfer – Trauer, Traum und Trauma.

Bini Adamczak, politische Autorin, liest Auszüge aus ihrem zweiten Buch "GESTERN MORGEN. über die einsamkeit kommunistischer gespenster und die rekonstruktion der zukunft".

 

Wie ist angesichts der vielen Menschen, die im Namen des "Kommunismus" gefoltert, an die Nazis ausgeliefert oder umgebracht wurden, überhaupt noch eine "kommunistische" Perspektive auf eine emanzipatorische und grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse beizubehalten?

«In diesem Fall hatte ich den Eindruck, dass es nicht mehr nur darum gehen kann theoretische Erklärungen zu finden für das was passiert ist. Sondern, dass tatsächlich auf affektiver Ebene mit der Geschichte umgegangen werden muss, dass eine Trauerarbeit geleistet werden muss, weil eben die verweigerte Trauer um die Opfer des Kommunismus selber das emanzipatorische, revolutionäre, kommunistische Begehren blockiert. Das ist meine These. Deswegen (und das ist nur der instrumentelle-politische Grund) ist es notwendig eine Trauerarbeit zu leisten. Und die vollzieht sich mit einer bestimmten Sprache, die teilweise auch in der Gefahr steht an den Rand des Pathos zu reichen.»
B. Adamczak
Zur Grenze des sprachlichen Ausdrucks bei der Erinnerung an erfahrenes Leid und Gewalt:

«Ich denke – das ist eigentlich ein Geschenk – dass die Sprache nicht das tatsächliche Leiden wiederholen kann. Könnte sie das, dürfte über das Leiden nicht gesprochen werden, denn es wäre ja extreme Gewalt. Das Sprechen über Folter ist nicht selber Folter. Und das ist auch gut so. Nur weil das so ist, können wir versuchen mit der Sprache uns der Gewalt anzunähern. Und ich denke, dass dieser Versuch der Annäherung, bei dem Wissen, dass er scheitern muss, zum Scheitern verurteilt ist, sinnvoll sein kann, um eine andere Form der Annäherung an die Geschichte zu erreichen."
B. Adamczak 

Mehr von Bini Adamczak:

Im Rahmen der Konferenz "Re-thinking Marx. Philosophie, Kritik, Praxis" wird Bini Adamczak Auszüge aus ihrem Buch "Kommunismus. Eine kleine Geschichte wie endlich alles anders wird." vortragen. Das Ganze findet am Freitag, den 20. Mai ab 20.30h im SBZ Krähenfuß im Ostflügel der HU Berlin statt.

Solidarität gegen Pauschaltouristen mit Einzelticket! (II)

Streit in der EU

Italien stattet Flüchtlinge mit Sondervisa aus

Rom macht seine Drohung war: Die italienischen Behörden haben damit begonnen, den ersten Tunesiern, die illegal eingereist waren, Aufenthaltsgenehmigungen auszustellen, mit denen sie weiter nach Frankreich reisen können. Mindestens 20 Migranten passierten bereits am Samstag in Ventimiglia die Grenze zu Südfrankreich. Am Sonntagmorgen folgten weitere, wie italienische Medien berichteten. Hunderte Tunesier warteten noch in der Stadt auf die Papiere und den ersehnten Übergang.

Frankreich reagierte mit verschärften Kontrollen. Um die Einreise der Flüchtlinge zu verhindern, soll der Präfekt der französischen Grenzregion sogar angeordnet haben, die Bahnverbindung zu unterbrechen. Zwischen dem italienischen Ventimiglia und der französischen Küstengemeinde Menton rolle kein Zug mehr, berichtete die Regionalzeitung "Nice-Matin".

Frankreich verstärkt Kontrollen

Nach dem Schengen-Abkommen zum offenen Grenzübergang können die Ausweise allerdings tatsächlich zum Übertritt berechtigen. Doch der Großteil der EU-Staaten hatte sich auf einem Sondergipfel in Luxemburg bereits vor einer Woche heftig gegen das italienische Vorgehen ausgesprochen, allen voran Deutschland und Frankreich.

Afrikanische Flüchtlinge auf der italienischen Insel Lampedusa (Foto: dpa)Großansicht des BildesAuf der italienischen Insel Lampedusa kommen die meisten Flüchtlinge an, viele wollen weiter nach Frankreich reisen.

Besonders zwischen Rom und Paris ist die Frage zum Politikum geworden. Die Kontrollen wurden in Frankreich bereits in den vergangenen Wochen und Monaten verstärkt. Nach Angaben von Innenminister Claude Guéant wurden allein zwischen dem 23. Februar und dem 28. März insgesamt 2800 illegale Flüchtlinge aus Tunesien bei Personenkontrollen erwischt. 1700 von ihnen wurden bereits abgeschoben, die meisten nach Italien. Doch selbst mit den Papieren aus Italien dürften die meisten Tunesier keine Chance auf eine legale Einreise haben. Sie müssen unter anderem nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. 31 Euro pro Tag und Person sind notwendig, wer keine Bleibe hat muss sogar 62 Euro pro Tag und Person nachweisen.

Herrmann empört

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann kritisierte die italienischen Behörden scharf. Das Verhalten sei "eine Zumutung", sagte Herrmann der "Passauer Neuen Presse". Das Verhalten Italiens verstoße "ganz klar gegen die Grundsätze der Partnerschaft in Europa und den Geist von Schengen und Dublin II". Weiter sagte der CSU-Politiker der Meldung zufolge: "Alle Vereinbarungen, die wir getroffen haben, werden so unterlaufen. Ich habe Verständnis für die Verärgerung der Franzosen. Im Rahmen unserer Schleierfahndung beobachten wir in Südbayern, ob jemand so nach Deutschland einreist."